Texte über Toewe

„whispering bottles“
Kunststipendium Bamberg 2015

„Das interdisziplinäre Konzept der „whispering bottles“ der Bamberger Künstlerin Christiane Toewe hat die Jury des Kunststipendium Bamberg einstimmig überzeugt.
Begründung der Jury:
„Die „whispering bottles“ erweitern die bisherige Arbeit der Keramikerin um eine dynamische Licht-Komponente und bestechen in hohem Maße durch Innovationskraft und ästhetisches Wirken. Die beleuchteten Keramikflaschen, die neben zahlreichen Lichtkelchen von der Künstlerin auch bisher im Rahmen ihrer Arbeit immer wieder und in vielen Varianten produziert wurden, sollen über eine akustische Komponente dazu gebracht werden, miteinander zu kommunizieren. Die „whispering bottles“ reagieren auf  Frequenzbereiche und Lautstärkenverhältnisse, auf Geräusche und Sprache im Ausstellungsraum. Durch diese Impulse gesteuert, nehmen Sie durch verschiedenes Verhalten, das sich durch verschiedene Lichtstärken je Flasche ausdrückt, eigenen Charakter an und beginnen miteinander zu „flüstern“.
Anmutung und Ausmaß der Kommunikation und damit die entstehende Atmosphäre lassen sich durch gezielte Lichtsteuerung sowie durch die flexible Dimension des Werkes (je nach Raumgröße ist eine verschieden große Anzahl an Objekten denkbar) variieren. Das Werk als Ergebnis kann von der Jury sehr deutlich gesehen und entsprechend gut gewertet werden und wird einhellig als sehr viel versprechend und künstlerisch beeindruckend eingestuft. Gleichermaßen überzeugend ist der angestrebte Schaffensprozess, der die Künstlerin vor neue Herausforderungen stellt.“


Die transluziden Porzellanwelten von Christiane Toewe, Bamberg, April 2015

Ein großzügiges Atelier am Rande des Bamberger Stadtwaldes, Porzellanstaub, viele Regale mit Schalen und Objekten in allen Stadien des Herstellungsvorganges, ein tonnenschwerer Brennofen mit 6 atmosphärischen Brennern -   das ist der Ort, an dem die zauberhaften fragilen Arbeiten der Künstlerin Christiane Toewe entstehen. Ihr einziges Material ist das weiße unglasierte Porzellan.
1990 besuchte sie im Rahmen ihres Studiums zur Keramikgestaltung die chinesische Provinzhauptstadt Guangzhou und entdeckte dort hautnah „ihr“ Material: hauchdünn, transluzent und rein – eine Begeisterung, die bis heute anhält und sie stets aufs Neue herausfordert. Es folgte ein Jahr intensiver Auseinandersetzung und Entwicklungsarbeit mit Material, Technik, Form und Brennverfahren, dann war die erste Serie der ZIP`s fertig, jene langen spitzen Porzellankegel mit millimeterdünner durchscheinender Wandung, die seither in vielen Variationen entstehen. Zunächst mit feiner sparsamer Malerei verziert wird im Laufe der Jahre das Porzellan selber experimentell weiter bearbeitet. Es wird perforiert,  durchbrochen oder fast durchbrochen, reliefartig,  bis nur noch hauchdünne Partien stehen bleiben.
Die Grenze des Machbaren wird erforscht, muss aber auch ausgehalten werden, denn der Ausschuss, das Scheitern gehört mit dazu. Wagemut ebenso wie Gefühl und Geduld braucht sie für diese ganz besondere Arbeit. Nach dem Brennen scheint das Licht hindurch, es wird gleichsam in den Gefäßen eingefangen, spielt sich durch die Wandung. Der Leuchteffekt kann durch eine elektrische Lichtquelle im Inneren verstärkt werden und potenziert so die faszinierenden Effekte im Raum.
Diese skulpturalen Leuchtkörper werden zu poetischen Gebilden mit bezaubernden Schatten an den Wänden.
Auch formal hat sich das Spektrum geweitet, es gibt die ZIP`s mit 2 oder 3 Spitzen, gedrungene niedrige Pendants, jene, die ganz spielerisch einen Busen mit Nippel formen... unzählige Schalen, Becher, flaschenähnliche Formationen, auch Gruppen, die sich als Lichtinstallationen präsentieren - alles kleine und größere Kunstwerke, die die übliche Vorstellung von irdener Ware oder dem Porzellannippes des Kunsthandwerkes sprengen. Trotz der Beschränkung auf das reine Weiß entstehen unzählige Nuancen, welche sich durch den Brand im offenen Feuer ergeben und unterstreichen so die Feinheit und sinnliche Ausstrahlung dieses weißen Goldes.
Ihre Lieblingsthemen, neben Licht und Transluzenz, Leichtigkeit, Schönheit, Bewegung, Ruhe und Unruhe finden sich, bezogen auf die Gesellschaft in ihren Rauminstallationen, Videos, Fotografien und Grafiken wieder
– wenn’s passt, mit einem Funken Humor.

Dr. Barbara Kahle, 1. Vorsitzende Kunstverein Bamberg

ART 5 | III, August 2014

Auszüge aus „Kunst und Keramik und Frau“ von Jürgen Grässer

Das Porzellan, mit dem Toewe hauptsächlich arbeitet, ist eine Masse, deren Zusammensetzung sie selbst entwickelt hat. Dieser Prozess hat ein Jahr in Anspruch genommen, in welchem sie mit verschiedenen Rohstoffen in den unterschiedlichsten Verhältnissen experimentierte. Es ging darum, ein Material zu finden, mit dem Toewe große und dünne Objekte herstellen konnte, ohne dass dieses schon beim Brennen Schaden nehmen würde, durch Risse etwa oder Blasen. Der Hauptbestandteil der Masse, die ein wenig ausschaut wie dicke Sahne (und sich auch so anfühlt, wie eine spontane Fingerprobe ergibt: sehr weich und unglaublich sanft), ist Kaolin, welches Toewe aus England bezieht.

Dann ist da noch der Umgang mit der Oberfläche, die so dünn gearbeitet sein soll wie möglich. Manche Objekte sind lediglich einen Millimeter stark, da kann Toewe nicht mehr viel wegwaschen. Gerade von den aktuell entstehenden Arbeiten sind viele mittels spezieller Bohrer, die man vom Zahnarzt kennt, durchlöchert. Mit Konzentration und großer Sorgfalt muss Toewe da zu Werke gehen. Wenn sich Loch an Loch reiht, stellt sich die bange Frage, ob denn das Kunstwerk auch dem Brand standhalten wird. „Das ist tatsächlich eine technische Gratwanderung“, sagt die Porzellankünstlerin. Die Temperatur im Brennofen beträgt immerhin 1340° Celsius. Jeder Brand wird dokumentiert, Toewe führt Stunde um Stunde Protokoll. Sie muss aufpassen, dass sie nicht zu lange brennt, denn Porzellan kann auch schmelzen.

Die mit Bedacht und eher leise denn laut sprechende Frau hat für sich etwas gesucht, was ein Alleinstellungsmerkmal hat und womit sie ihre Persönlichkeit ausleben kann. Da ist die eigene Rezeptur für das Material, da ist aber auch die enorme Schwierigkeit der Technik. Bis man die beherrsche, würden schon einmal zwei, drei Jahre ins Land ziehen, erzählt Toewe. Aber sie habe „einfach auch wahnsinnig viel Geduld.“ Und die braucht sie gewiss. Mit ihren Porzellanarbeiten macht sie zudem viele Rauminstallationen („Mehr Wert“ etwa, „Intermezzo“), in denen sie versucht, künstlerische Themen über ihre filigranen Objekte umzusetzen: „Das ist für mich eigentlich das Spannendere.“

Seit mehr als zwei Jahrzehnten widmet sich Toewe ihrer ganz außerordentlichen Kunst. Müde ist sie noch lange nicht. Immer wieder schafft sie Neues, entwickelt sich und ihre Werke weiter. Wenn sie davon spricht, leuchten ihre Augen. Ihre Arbeiten tun es ja auch. In Holzsockel, die ihr ein Schreiner fertigt, montiert Toewe die Elektrik hinein und fixiert sodann die Objekte auf dem Sockel. Dann kann das hauchdünne Porzellan von innen her leuchten. Vor allem am Abend und in der Nacht schlägt, versteht sich, die Stunde von Toewes lichten, leichten, zarten Objekten.

Neben ihrer eigenen kreativen Arbeit engagiert sich Toewe noch im Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken, dessen Vorsitzende sie ist. Als solche macht sie sich beispielsweise für den Kunstraum Kesselhaus stark. Und sie wünscht sich, dass (die Stadt) Bamberg gerade auch die Künstler auf ihrem eigenen Grund und Boden schätzt, statt, wie häufig, auf große Namen von außerhalb zu setzen. An kreativem Potential gerade auch im Bereich der bildenden Kunst fehlt es der Domstadt ja nicht.
Toewe und ihre Lichtobjekte aus Porzellan sind ein nicht zu unterschätzender Teil davon.

 

Zeitgleich – Zeitzeichen in Bamberg:  licht I körper I raum
Auszug aus der Einführungsrede von Dietlinde Schunk-Assenmacher am 05.10.2014

 Christiane Toewe und Monika Supé im Atelier & Kunstraum Toewe, 05.10.-24.10.2014

„licht I körper I raum ist der Titel dieser Ausstellung, der in diesen drei Worten bereits das umfasst, was die Arbeiten von Christiane Toewe und Monika Supé ausmachen und gleichzeitig sind in diesem Titel licht I körper I raum auch die wesentlichen Parameter angesprochen, die für beide Künstlerinnen bedeutend sind, für die sie mit Leidenschaft und Experimentierfreude arbeiten. (..)

Henrik Ibsen schrieb einmal: Das, was ein Kunstwerk zum geistigen Eigentum seines Urhebers macht, ist der Stempel seiner eigenen Persönlichkeit, den er dem Werke aufdrückt. Und das gelingt Monika Supé mit ihren Arbeiten beeindruckend. Es sind ungewöhnliche Objekte die in dieser Art erstmalig in Bamberg zu sehen sind, und ich möchte sagen, einmalig sind. Gleiches können wir auch von den transluzenten Porzellanobjekten Christiane Toewes sagen. Sie ist ausgebildete Keramikerin, Designerin und vor allem Künstlerin. (..)

Heute kann Christiane Toewe für ihre LICHTobjekte ihre langjährigen Erfahrungen mit dem von ihr bevorzugten Material Porzellan einsetzen, mit allen Nuancen des Weiß, seiner Sinnlichkeit,

Leichtigkeit und Verletzbarkeit spielen. Und sie erreichte ihr Ziel, hauchdünne Porzellankörper zu entwickeln, die ein besonderes Eigenleben besitzen und durch Licht zur vollendeten Schönheit erweckt werden. (..)

In ihren neuesten Arbeiten bohrt die Künstlerin mit einem feinen Bohrer Texte in die hauchdünne Porzellanmasse. Dabei geht sie mit äußerster Konzentration und großer Sorgfalt zu Werke. Es sind Texte, die sie selbst schreibt, die ihr Engagement aber auch ihren Witz in Themen aus den Bereichen der Ökologie, Politik und Menschenrechte aufzeigen. Sie werden von ihr mittels Spiegelschrift verschlüsselt, durch das Licht aber werden sie sichtbar. Ich muss an das französische Wort für Aufklärung denken: les Lumières, und das Licht heißt la lumière. Welch tiefsinnige Bedeutung! Aufklärung durch Licht! (..)

Mit einem Zitat von Arnulf Rainer, dem bekannten österreichischen Maler, möchte ich schließen: Ein Kunstwerk kann man erst dann verstehen, wenn man es besitzt. Er hat nicht so unrecht. Je länger wir uns mit dem Kunstwerk beschäftigen, desto mehr erfahren wir von ihm.

 

ZUR ERÖFFNUNG VON CHRISTIANE TOEWES ATELIER AM 14.09.2013
Auszüge aus der Rede von Richard Wientzek, Maler


... Weiter geht es in der individuellen künstlerischen Entwicklung oft dann, wenn sich der Künstler auf eine einzelne Fragestellung beschränkt. Diese Fragestellung muss einerseits sehr klar sein, um zielgerichtet arbeiten zu können. Und sie muss zugleich so offen sein, dass sie Freiheiten und Möglichkeiten lässt. Christiane Toewes Fragestellung ist - ebenso lapidar wie komplex: Wie reagiert Porzellan mit Licht?

Stellen wir uns mal ein Porzellanobjekt als Architektur vor, etwa als gotische Kathedrale. Die mittelalterlichen Baumeister waren zusehends getrieben von der Frage: Wie viel Wandmasse kann ich noch wegnehmen, um möglichst viel Fensterfläche, also Transparenz zu erreichen. Und wie weit kann das Spiel getrieben werden, ohne dass alles zusammenfällt?

Auf rein „sportlicher“ oder handwerklicher Ebene geht es also bei den gotischen Baumeistern und bei Christiane Toewe die ständige Abwägung von Statik versus Leichtigkeit.

Aus „Sport“ wird dann Kunst, wenn die persönliche Handschrift überzeugend erkennbar wird. Sinnlichkeit, Leichtigkeit, das Wechselspiel von Starrheit und Bewegung, Licht und Dunkel, Kälte und Wärme, das permanente Risiko des Scheiterns und oft ein leiser Humor, das sind nur einige Komponenten der toeweschen Handschrift.

 
Leichtigkeit der Dinge und Schönheit des Seins
Ausstellung „transluzent“ bei der Regierung von Oberfranken, 14.9.2011 – 6.01.2012

Auf der Tradition aufbauend arbeitet Christiane Toewe am Geheimnis Porzellan. Seit mehr als 23 Jahren befasst sich die Künstlerin mit der durchscheinenden Eigenschaft von Porzellan. Sie spielt mit den Wandstärken, erobert das Material, bewegt es zwischen Transparenz und Opazität.

Ihr Thema ist die Leichtigkeit der Dinge und deren Verletzbarkeit, aber auch die Schönheit des Seins.

Bevorzugt arbeitet Sie mit purem Porzellan, d.h. Porzellan ohne Farbauftrag. Hieraus ergeben sich durch den Brand im offenen Feuer unzählige Nuancen der Farbe Weiß.

Die Herstellung der Gegenstände ist sehr diffizil. Das Bruch-Risiko beim Brand kalkuliert die Künstlerin ein, denn für sie ist klar, dass das Ergebnis des Arbeitsprozesses nicht so durchscheinend und zart wäre, ohne an die Grenzen der Materialeigenschaften gegangen zu sein. Das dadurch entstehende Spiel mit der Transluzenz von Porzellan ist die große Leidenschaft von Christiane Toewe.

Auszüge aus der Eröffnungsrede von Petra Platzgummer-Martin, Regierungsvizepräsidentin

 

Eleganz bei 1340°C
Ausstellung «Licht Bild»: Kunstraum Rosenstraße 12, Fürth bis 27. Februar 2010.

"Die starke emotionale Wirkung von Licht ist Christiane Toewes Sache. Die Keramikerin «malt» förmlich mit Licht: Wenn ihre Leuchtobjekte aus hauchdünnem, bei 1340 Grad gebranntem Porzellan erstrahlen, wird es warm im Raum. Alle Werke sind handgefertigt und wirken trotz ihrer formalen Strenge in sich bewegt. Das liegt an den zahlreichen Nuancen von Weiß auf der Oberfläche. Mit ihren Schichtungen und Reliefs erwachen die Kegel-, Flaschen-, Vasen-, Becher- und Kokon-Formen zum Leben. Von innen beleuchtet, beginnt die Lithophanie sich zu verselbstständigen. Durch die unterschiedliche Lichtdurchlässigkeit des handgeformten Materials und die dadurch entstehenden Schattenwirkungen erscheint sie nicht mehr eben, sondern als kleines Kunstwerk mit bezaubernder Tiefenwirkung."

Auszüge aus dem Zeitungsartikel von Claudia Schuller, Füther Zeitung 20.01.2010

 

Licht und Schatten

„ZIP's , BIP's und MIZZI's  erobern sich ihren Raum sobald das Licht angeht. Die zuvor ruhigen, zurückhaltenden skulpturalen Formen beginnen zu leben. Das Licht bahnt sich seinen Weg.

In ihren Rauminstallationen  "BLINKENDE BRÜSTE", "HERRENZIMMER" ODER "HÄNGEBUSEN" geht Christiane Toewe  noch einen Schritt weiter und macht den Besucher zum Teil des Ganzen.  "DON'T TOUCH ME , NOT YET ". 

Auszüge aus der Eröffnungsrede von Ch. Liedtke, Galerie Kunstraum Kehl 1999

 

"Seltsani" 1998
Christiane Toewe  bringt die Elemente in Bewegung und formt daraus die Leichtigkeit der Dinge.

„Leitgedanke ihrer künstlerischen Arbeit ist die Beweglichkeit und Leichtigkeit in ihren Objekten. Richtungweisend waren Erlebnisse in China und England, die ihren Spaß am Experimentieren und den Mut zum Verlust bekräftigt haben. Meisterlich beherrscht sie das Material und formt daraus Dinge, die die übliche Sicht von Keramik sprengen.
Die  transluzenten  Leuchtobjekte von Christiane Toewe sind aus Porzellan, und das ist dann durchsichtig, wenn es hauchdünn ist und so hoch gebrannt wird, daß es fast schmilzt. Schockartig wird es abgekühlt, damit der Zustand des Verglasens erhalten bleibt. Christiane Toewe macht diese Zerbrechlichkeit sichtbar mit filigranen Reliefs und Durchbrüchen. Die Herstellung ist unberechenbar, ergibt jede Menge Bruch, und die exzellenten Stücke, die, wie Kunst immer, selten sind.

Die Grenzbereiche des Machbaren sind der Freiraum, in dem Christiane Toewe am liebsten arbeitet.“

Auszüge aus der Rede von Christine Gruber anlässlich Seltsani 1998, Arzberg

Atelier für Studioporzellan

Christiane Toewe
Hainstraße 57
96047 Bamberg

Telefon + 49 (0)951 299 866 1
mobil +49 (0)179 6833067

eMail senden

Toewe Studioporzellan

Öffnungszeiten

Kommen Sie spontan vorbei.
Meistens bin ich im Atelier oder Büro,
Klingeln Sie einfach.

Und/oder gerne auch nach
Terminvereinbarung
:
Telefon +49 (0)951 299 866 1
Mobil +49 (0)179 68 330 67
Terminvereinbarung per eMail